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'Mozart, ein Romantiker?', fragt das Mozartfest 2019Artiste étoile 2019: Tenor Julian PrégardienMozartLabor: 8. Juni bis 11. Juni 2019Komponistin im Porträt: Unsuk ChinNachtmusik: Am 31. Mai und 22. Juni 2019

Mozartfest Würzburg 2019:

Fünf Wochen Festival liegen hinter uns! Vielen Dank an alle, die dabei waren, Besucher, Künstler und das ganze Team vor und hinter den Kulissen!

 

 

 

 

 

 

Mozart, ein Romantiker?

 

Eröffnungsansprache Mozartfest 2019, Evelyn Meining

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

the same procedure as every year:

Wir sind eben alle über den roten Teppich gegangen, und wir haben es alle genossen.

Aber:

Das Mozartfest ist im Jahr 2019 längst kein Ereignis mehr für wenige Privilegierte. Kein „Red Carpet“-Ereignis für Elite oder Geldadel. Musik ist kein Luxus. Das Mozartfest ist ein Fest für alle. Mitten in der Gesellschaft hat es seinen Platz. Jeder kann in dem vielfältigen Programm etwas finden – unabhängig von akademischer Bildung oder finanziellem Status. Die Residenz als Gründungsort ist mit ihren Prachträumen unser Markenzeichen seit fast 100 Jahren. Natürlich findet auch deshalb hier die Eröffnung statt.

Das Wort Fest sagt es: Festlich darf es zugehen. Wenn man zu einem solch besonderen Anlass mal sein »Tafelsilber« auflegt, muss man sich dafür nicht schämen. Und dann – in den kommenden vier Wochen – zeigt sich eine Menge an Ideenreichtum in den Programmangeboten. Ein Festival und das Gestalten seines Inhalts ist keine Sache von Traditionsbeschwörung, sondern etwas ganz Lebendiges und Gegenwärtiges. Eine Projektion von Kunst auf Gesellschaft und von Gesellschaft auf die Kunst. Das ist heute keine Ausnahme mehr. Das ist Standard. Nur so macht Festivalarbeit Sinn und auch Spaß.

Das Mozartfest wird gerne als Würzburgs Flaggschiff der Hochkultur bezeichnet. Aber was heißt Hochkultur? Was assoziiert dieses Wort? Das Mozartfest versteht sich als Ort der Begegnung zwischen verschiedenen Generationen, es bietet Programme für den Feinschmecker der Klassik und für diejenigen, die wenig oder keine Erfahrung mit Mozart und seinen Kollegen haben.

Und wenn die Menschen nicht zum Mozartfest kommen, kommt das Mozartfest zu ihnen. Dafür entdecken wir immer neue Spielorte und Konzertformate. Dafür haben wir in diesem Jahr im Rahmen des MozartLabors einen Workshop eingerichtet, der sich mit »innovativen Konzertformaten« intensiv beschäftigt.

Mozart animiert uns,  jedes Jahr mit dem Thema des Festivals unsere Fragen zu formulieren. Fragen von heute und für heute. Geschichte lebt fort, sie holt uns immer wieder ein, nur eben unter anderen Vorzeichen.

Durch das diesjährige Thema Mozart und die Romantik, erfahren wir alle auch etwas über uns. Romantik: Mit Ikonen wie dem Gemälde »Der Mönch am Meer« oder »Der Wanderer über dem Nebelmeer« von Caspar David Friedrich, mit den schwermütigen Klängen von Robert Schumann oder den gefühlstrunkenen Versen eines Eichendorff mag sie zunächst weit weg von unserem Lebensgefühl scheinen. Doch wenn es um unsere Sehnsüchte geht: Wünschen wir uns nicht wie eh und je, dass unser Ich einen Schutzraum findet?

Wir leben in einer entzauberten Welt. Überall treffen wir diese geheimnislos gewordene Welt an, die längst vermessen, erklärt und erobert ist. Wir sind ihr ausgeliefert, ungeschützt. In Echtzeit erfahren wir täglich, was die Krone der Schöpfung nicht ziert. Was zählt, sind harte Fakten, Renditen, Optimierungen.

 

Wo bleibt der fühlende Mensch? Sensibilität und Selbstzweifel stehen nicht hoch im Kurs einer solchen Zeit. Sie sind vermeintliche Zeichen von Schwäche. Wer sie zulässt, wird schnell als lebensunfähig abgestempelt, als Weichei, als Träumer. Diese entzauberte Welt kann einen traurig machen. Umso mehr der Mensch weiß, desto weniger kann er hoffen. Hoffen darauf, dass irgendwie doch alles einen Sinn hat. Was ist mit der Seele des gläsern gewordenen Menschen im 21. Jahrhundert?

Suchen wir angesichts solcher Identitätskrisen nicht Fluchtorte, ganz wie die Romantiker? Dazu muss man nicht einsam am Meer oder über dem Nebelmeer stehen. Aber die Chiffren dieser Bilder greifen noch immer. Es geht – damals wie heute – um eine Flucht vor dem Rationalismus. Um Wege nach innen. Und um eine Wiederverzauberung der Welt.

Es ist ja klar: Die Freizeitindustrie hat unsere Sehnsüchte erkannt, den sensiblen Nerv des modernen Menschen. Ab in den Traumurlaub, in entlegene, möglichst unerschlossene Landschaften! Unterwegs mit dem Traumschiff oder zum Candellight-Dinner! Alles Verführungen, die für kurze Zeit vorgaukeln, was wir uns wünschen: eine bessere, intakte, unberührte Welt. Eine Welt als Selbsterfahrungstrip.

Romantik ist dabei oft zum Klischee geronnen. Statt mit der Anatomie der Seele hat sie mit der Anatomie von Verkaufsabsichten zu tun. Romantik als Mittel zum Zweck. – – –

Ist es nicht eine reizvolle, dankbare und auch schöne Art, mehr über unsere Herkunft und Identität zu erfahren durch ein sommerliches Musikfestival? Wenn wir bei diesem Mozartfest erleben, inwiefern wir geschichtliche Wesen sind – geprägt von Kultur, Tradition und Sprache – dann verstehen wir vielleicht besser, dass daraus unsere persönliche Perspektive wächst, unser Blick auf die Welt und auf uns selbst.

Sinnlich greifbar zu machen, dass unsere Gegenwart aus der Vergangenheit lebt – dafür ist ein Musikfestival auch da. Wir in Würzburg können uns auf 250 Jahre Kulturgeschichte seit Mozart beziehen – eine Chance, die noch dazu gut klingt.

Der Heidelberger Philosoph Hans-Georg Gadamer sagt: »In Wahrheit gehört die Geschichte nicht uns, sondern wir gehören ihr.«

Ein wichtiger Satz, der uns warnt vor Selbstüberschätzung. Gadamer nennt »die Selbstbesinnung des Individuums […] ein Flackern im geschlossenen Stromkreis des geschichtlichen Lebens«.

Wenn es dem Mozartfest gelingt, mit seinen Themen, den Konzertformaten und vielfältigen Angeboten, ein Fest für alle zu sein, dann sind wir einverstanden mit dem Wort von der Hochkultur. Weil wir Musik in Gesellschaft und Gesellschaft in Musik spiegeln – und zwar »auf der Höhe der Zeit«.

Wenn wir mit Freude und Überzeugung in unsere Kultur investieren, in das Mozartfest auf seinem Weg zum 100. Jubiläum, dann zahlen wir ein in unser eigenes Dasein und unsere Zukunft.

Mozart hat es ganz einfach gesagt: »Ohne Musik wär’ alles nichts.«

Ob mit rotem Teppich oder ohne.

Seien Sie alle willkommen zum Mozartfest 2019!

 

 

 

 

 

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