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Leitgedanke

Liebe Musikfreunde,

was wäre Würzburg ohne das Mozartfest? Was wäre das Mozartfest ohne Würzburg? Seit 100 Jahren gehört beides zusammen, ist unter sich stets verändernden Voraussetzungen zusammen gewachsen und zusammengewachsen. 1921, als der Erste Weltkrieg noch tiefe Schatten warf, wurde das Mozartfest gegründet. Eine Initiative in die Zukunft, ein Impuls der Besinnung, der Selbstfindung, der Volksbildung. Eine neue Identität für die Residenz auch, die nun öffentlich zugänglich war. Eine regionale Initiative, die schnell für überregionale Künstler attraktiv wurde und ihr Publikum aus Nähe und Ferne bezog. Erneut »auf den Trümmern der Zeit« – um es mit den Worten des Mozartforschers Erich Valentin zu sagen – wurde 1951 das Mozartfest wiedergegründet, nun direkt unter der Trägerschaft der Stadt Würzburg. Es sind 100 Jahre bewegter deutscher Geschichte, die das Mozartfest und seine Stadt spiegeln.

Etwa zweieinhalb Millionen Musikfreunde haben in diesen Jahren das Mozartfest besucht, haben es in seinen Wandlungen und Konstanten angenommen, ihm Stabilität gegeben, so wie umgekehrt die Konzerte in schwierigen Zeiten vielen Menschen Stabilität gaben. Es ging und geht dabei stets um mehr, als es das Klischee von »Klassik« im festlichen, spätbarocken Ambiente nahelegt: um einen Dialog mit der Gegenwart, der sich durch Mozart immer neu austarieren lässt. Wobei sich natürlich jede Zeit ihr eigenes Mozartbild macht. Die inhaltliche Aufstellung des Programms in Würzburg zielt darauf, Mozart unter sich ständig verändernden Vorzeichen zu befragen, seine Musik von innen heraus auszumessen. Die künstlerische Auseinandersetzung bleibt stets auch eine geistige. Beides lässt sich nicht auseinanderdividieren.

Die Jubiläumssaison feiert 100 Jahre Mozartfest und ist in ihrem weit gespannten, facettenreichen Programm gleichzeitig dessen Spiegel. Wegmarken und Wendepunkte des Jahrhunderts nehmen wir in den Blick und konfrontieren sie mit Impulsen unserer Gegenwart. Wie in den ersten Jahren des Mozartfestes werden die Disziplinen Musik, Architektur, Literatur, Bildende und Darstellende Kunst komplementär gedacht. Ihr Zusammenspiel soll seine Wirkung entfalten: ein Fest, das Menschen und Künste gleichermaßen verbindet.

Noch bevor das erste Konzert erklingt, wird im Museum im Kulturspeicher eine Ausstellung eröffnet: IMAGINE MOZART | MOZART BILDER zeigt 60 hochrangige Kunstwerke von Künstlern wie Chagall, Delacroix, Klee, Kokoschka, Schinkel und Slevogt. Ebenfalls im Vorfeld erscheint eine Publikation, die aus Anlass des Jubiläums entstand: »Mozart interpretieren« heißt dieses Buch, das sich in Essays und Gesprächen Mozarts Musik in ihrer Doppelexistenz als Klang und Notentext annähert. Zu Wort kommen dort Künstlerinnen und Künstler, die beim Mozartfest aufgetreten sind, darunter Alfred Brendel, Brigitte Fassbaender, Sir John Eliot Gardiner und Tabea Zimmermann.

Von Uraufführungen bis zur Nachtmusik im Hofgarten, von ausgefeilten Themenabenden bis zur Jupiternacht, die sich diesmal ganz dem Schwung der Roaring Twenties hingibt, reicht das Programmangebot. Der Ideenwettbewerb »100 für 100« gehört dazu, bei dem alle Würzburger Mozartfreunde und -freundinnen mitfeiern und ihre kreative Phantasie einbringen können. Neu ist auch M Pop-up, ein Raum für Mozart, den wir im Herzen der Innenstadt einrichten: ein Raum für Spontanes, Experimentelles, der auch Arbeitsplatz des Organisationsteams wird und zum Austausch, Entdecken und Informieren einlädt.

Instrumente aus Mozarts Privatbesitz werden beim Eröffnungskonzert im Kaisersaal zu hören sein. Die erste Oper, die beim Mozartfest erklang, war 1931 »Idomeneo«. Nun wird dieses frühe Meisterwerk von Christophe Rousset, Les Talens Lyriques und einem erstklassigen Ensemble junger Stimmen exklusiv für Würzburg erarbeitet. Nach seinem Debüt 2017 kommt René Jacbos wieder zum Mozartfest: Fast auf den Tag genau 200 Jahre nach der Uraufführung dirigiert er erstmals Webers »Freischütz« und startet mit dieser Produktion von Würzburg aus eine Europa-Tournee.

»Wie viel Mozart braucht der Mensch?« Als Sonderform des MozartLabors fragen wir mit einer Vortragsreihe nach dem Wert von Hochkultur – und dem verantwortlichen Umgang damit. Prominente Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kunst entfalten ihre Perspektive auf das europäische Musikerbe: Was fördern wir, wenn wir Kultur fördern? Ein begleitendes Stipendienprogramm gibt jungen Menschen Gelegenheit, ästhetische Erfahrungen von Konzert- und Ausstellungsbesuch im Kontext eines kritischen Diskurses zu unserer gesellschaftlichen Werteordnung zu erleben.

Außerdem wird das Mozartfest reisen – und zwar auf den Spuren seines Namensgebers. Unsere Artistes étoiles der letzten Jahre entsenden wir in europäische Kulturzentren, die für Mozart wichtig waren: Paris und Prag, Mailand und London, Wien und Brüssel. Mit ihren Programmen kommen sie anschließend nach Würzburg zurück und sind im Kaisersaal zu hören. Eine exklusiv für das Jubiläum produzierte CD-Edition hält darüber hinaus musikalische Sternstunden des Mozartfestes seit 1954 fest.

Auch wenn uns zum Zeitpunkt der Programmveröffentlichung noch manche Planungsunsicherheit infolge der Corona-Pandemie beschäftigt, blicken wir gespannt auf ein deutsch-amerikanisches Tanzprojekt, an dem viele Akteure seit Monaten mit Herzblut arbeiten. Der Thomanerchor Leipzig und das Alabama Ballet werden eine vertanzte Deutung von Mozarts »Requiem« in der Choreografie von Anna Vita zur Premiere bringen und damit ein interdisziplinäres Mozartbild entwerfen.

Apropos Corona: Wie stark Musik in Krisenzeiten wirken kann, hat das Mozartfest zuletzt in seiner 99. Saison unter Beweis gestellt. Trotz der enormen Einschränkungen und noch während das öffentliche Leben in einer Schockstarre verharrte, gab es 43 Konzerte, von denen die allermeisten vor Publikum stattfanden. Wir haben Musik auf vielfältige Weise zu den Menschen gebracht und ihnen damit ein Stück Normalität und Lebensfreude zurückgegeben. Das Eröffnungskonzert in den leeren Räumen der Residenz erreichte als Video-Livestream bereits am Ausstrahlungstag 104.000 Zuschauer – das Vierfache einer ganzen Saison.

Das Mozartfest versteht sich heute als Teil des Diskurses über Fragen menschlicher Kreativität. Das ist ganz konkret gemeint: Gemeinsam mit Partnern wie der Universität Würzburg, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der FH und Digitalisierungs- und KI-Experten der Freien Szene haben wir ein zweijähriges Projekt initiiert, das an der Schnittstelle von Musik und Künstlicher Intelligenz angesiedelt ist. In unserem Jubiläumsprogramm trifft die Schriftstellerin Ulla Hahn zweifellos einen Nerv unserer Zeit, wenn sie sich in einer Auftragsarbeit des Mozartfestes mit Künstlicher Intelligenz in Hinblick auf Mozart auseinandersetzt.

Natürlich bleibt es dabei: Nähe und gemeinschaftliches Erleben, Musik als emotionaler und geistiger Lebensstoff, dafür steht das Mozartfest Würzburg. Nur müssen wir die damit konkret verbundenen Inhalte immer neu definieren – und uns ihnen stellen. Wie schrieb Alfred Einstein in seinem großen, im amerikanischen Exil entstandenen Mozart-Buch? »Jede Generation wäre ohne ihn ärmer um ein Unendliches.«

Seien Sie herzlich willkommen zum Mozartfest 2021!

Stand 4.12.2020

Programmfacetten

Die UNESCO-Weltkulturerbestätte Würzburger Residenz, Kirchen, Klöster, Weingüter, Schlossgärten oder Industriedenkmäler sind Bühne für ein facettenreiches Programm, in dem das gemeinsame Erleben und Erkunden groß geschrieben wird.

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